Geschichte von Willingen
Willingen liegt im Upland, einer hoch gelegenen Landschaft im Nordosten des Sauerlands. Die Geschichte des Ortes verbindet bäuerliche Höfe, waldeckische Herrschaft und kirchliche Mittelpunkte mit Holz- und Eisenverarbeitung, Bergbau, Handel und Tourismus. Der erste urkundliche Beleg für Willingen stammt aus dem Jahr 1380. Die umliegenden Dörfer entwickelten sich aus einzelnen Höfen, die Landwirtschaft und Waldnutzung prägten den Alltag über viele Jahrhunderte.
Das heutige Wappen von Willingen
Foto: Wappen von Willingen
Waldeckische Herrschaft und das Leben auf den Höfen
Im 15. und 16. Jahrhundert kam die Grundherrschaft über das Gebiet an die Grafen von Waldeck. Mit der Reformation veränderte sich auch das kirchliche Leben.
Holz war Baumaterial und Brennstoff und lieferte zugleich die Grundlage für die Eisenverarbeitung. Köhler stellten Holzkohle her, die für die Hütten benötigt wurde. Gießer, Schmelzer, Bläser, Hammerleute und Schmiede wirkten an den verschiedenen Arbeitsschritten mit. Fuhrleute brachten Kohle und Material zu den Verarbeitungsstätten und transportierten fertige Eisenwaren weiter. Ein Teil des Arbeitslohns wurde in Eisenwaren ausgezahlt; diese ließen sich gegen Lebensmittel und Leinen tauschen. Die Handelsleute verkauften Leinen und Fasskranen im Ruhrgebiet, im Rheinland, in Norddeutschland und in weiter entfernten Gebieten.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts endete die Arbeit in den Hütten. Der Schieferabbau prägte anschließend für rund ein Jahrhundert die Erwerbsarbeit in der Region. Daneben blieb der Leinenhandel bedeutsam: Vom 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte er zu den wirtschaftlichen Verbindungen des Uplands.
Bahn, Wintersport und Kurortgeschichte
Der Bahnanschluss von 1917 schuf eine neue Verbindung für Reisende und Handel. In den 1920er-Jahren kam der Wintersport als weiteres touristisches Thema hinzu. 1924 gründete sich ein Verkehrsverein. Willingen wurde 1932 als Luftkurort, 1957 als heilklimatischer Kurort und 1979 als Kneippheilbad anerkannt.
Die kommunale Neugliederung führte 1974 neun zuvor eigenständige Orte zur Gemeinde Willingen (Upland) zusammen. Willingen wurde Verwaltungssitz. Zur Gemeinde gehören unter anderem Usseln und Rattlar.
Usseln und die Kilianskirche
Ein kirchlicher Mittelpunkt war die evangelische Kilianskirche in Usseln, die über Jahrhunderte als Mutterkirche des Uplands diente. Nach örtlicher Überlieferung bestanden dort bereits um 800 eine christliche Gemeinde und eine erste Kirche. Im 13. Jahrhundert wurde der Bau zu einer dreischiffigen Basilika erweitert; seit 1529 ist die Kirche evangelisch. Ein Brand zerstörte 1642 große Teile des Gebäudes, der romanisch-frühgotische Chorraum blieb erhalten. Wiederaufbau und spätere Umbauten prägten das Bauwerk weiter. Altar, Orgel und Glocken erinnern an unterschiedliche Bau- und Nutzungsphasen. Bis 1826 wurden auch Verstorbene aus Rattlar, Schwalefeld und Willingen am Usselner Kirchhof bestattet. Weitere historische Zeugnisse und Sehenswürdigkeiten in Willingen ergänzen den Blick auf die Ortsgeschichte.